Der Schulverband Trittau und der Neubau des Blauen Hauses eine Lösung muss her

Der Schulverband Trittau und der Neubau des Blauen Hauses

von Andreas Willkomm

 

Es ist schon verständlich, wenn kleine Gemeinden sagen, sie schicken keine Kinder ins Blaue Haus, sie wollen dafür auch nicht bezahlen.

Der Schulverband Trittau ist ein Sozialverband der Amtsgemeinden und Trittau der Haupt Schulstandort. Zumindest bei den höheren Schulen ist das der Fall. Bei den Grundschulen sieht es teilweise etwas anders aus. Die Gemeinden Grönwohld, Lütjensee, Kuddewörde, ich hoffe ich habe keinen vergessen, haben ihre eigenen Grundschulen und damit einen eigenen, wenn auch kleinen Schulverband.

Die weiterführenden Schulen besuchen die meisten der Kinder dann in Trittau, entweder auf dem Gymnasium Trittau oder an der Hahnheide Schule. Ab da ist dann wieder alles in Ordnung, mehr oder weniger.

Bis zu diesem Jahr ist es dem Schulverband, zu dem das Blaue Haus gehört, immer gelungen, alle Kinder, für die eine Betreuung beantragt ist, unter zu bringen. Eng war es schon häufig, jetzt ist man sich aber leider sicher, dass man nicht alle der 65 in Frage kommenden Kinder unterbringen kann. Möglicherweise handelt es sich letztendlich um 30 Kinder, für de keine Garantie gegeben werden kann.

Es musste eine Lösung her und man entschied sich, das Blaue Haus zu erweitern, und zwar mit einem Neubau, Luftlinie 300 Meter vom jetzigen Haus entfernt. Am 23.11.2015 hat die Schulverbandsversammlung dies sogar mehrheitlich beschlossen. Dieser Beschluss hielt genau bis zum 7.12. In dieser Versammlung wurde der Haushalt 2016 besprochen und als es darum ging insgesamt 1,1 Millionen Euro für den Neubau des Blauen Hauses einzustellen, wurde der Beschluss gekippt. Ein Schock für die Trittauer Verbandsmitglieder, aber sie mussten sich von ihren Solidarpartnern anhören, dass sie keine Kinder im Blauen Haus unterbringen und sie nicht bereit sind, Trittauer Bedarfe mitzufinanzieren.

In Zeiten knapper Kassen war diese Reaktion zu erwarten und nun stand man vor einer Zerreisprobe für den gesamten Trittauer Schulverband. Irgendwie verständlich, wenn sich eine Gemeinde fragt, was sie davon hat eine Kinderbetreuung mitzufinanzieren, die zu wenigstens 80 Prozent von Trittauer Kindern genutzt wird. Dann soll doch die Gemeinde Trittau das neue Blaue Haus bauen und die Gemeinden würden sich einmieten.

Das wollten aber weder die Gemeinde Trittau, noch der Schulverband. Beide Institutionen wollten nicht die Bauträger für dieses Projekt sein und nachher mit den Kosten für die Gebäudeinstandhaltung und Unterhaltung allgemein auch noch dran zu hängen.

Gestern, am 15. Februar 2016, sollte dieses Problem aus der Welt geschafft und der Schulverband Trittau wieder zu einer festen Solidargemeinschaft zurückkehren.

Etwa 150 Eltern waren dem Aufruf der Elterninitiative in den großen Sitzungssaal des Trittauer Amtsgebäudes gefolgt, sie wollten den Schulverbandsmitgliedern und ihren Bürgermeistern Auge in Auge ihre Sorgen mitteilen, was sie auch sehr intensiv taten.

Bereits in der anfänglichen Einwohnerfragestunde ging es nur um das Thema Blaues Haus und die Kinderunterbringung und bereits hier war spürbar, dass es ein schwieriger Abend werden würde.

Nicht selten saß die Vorsitzende des Schulverbandes, Ute Welter-Agatz vor den Fragestellern und konnte als Antwort nur mit den Schultern zucken, nach über einer halben Stunde und dem abgeschmetterten Antrag auf Beendigung der Fragestunde konnte man dann doch zur eigentlichen Tagesordnung übergehen. Allerdings wurde die Berichte der Vorsitzenden und der Schulleiter nur am Rande mitgehört, einzig der Punkt 9 der Tagesordnung, explizit der 9-b) Antrag an die Gemeinde Trittau zur Errichtung des Neubaus und langfristigen Vermietung an den Schulverband interessierte die vielen Eltern.

Als man dort endlich angekommen war, begann die Diskussion gleich mit einer Überraschung denn Ulrike Lorenzen beantragte für Trittau die Umsetzung des am 23.11.2015 gefassten Beschlusses.

Dieser Antrag zog ihr den Unmut ihrer Kollegen der Gegenseite zu den so etwas stand laut Tagesordnung nicht zur Debatte.

Was nun, war die große Frage und irgendwie kam man doch dazu, auch darüber zu diskutieren, wobei schnell ersichtlich wurde, dass dies die beiden Lager nicht zusammen bringen würde und man sich in Formalitäten verlieren würde.

Interessant war allerdings dann die Bestätigung einer Trittauer Finanzpolitikerin, dass Trittau hoch verschuldet sei und man sich diese Ausgaben nicht mehr leisten könne.

 

„Vor gut einem halben Jahr wurde eben dieser Punkt bei einer 1,2 – 1,5 Millionen Diskussion von Trittau24 angeführt und wir wurden belächelt. Geld sei so billig, man bekäme es quasi geschenkt. Ein klein wenig die Grundsteuer erhöhen und man käme klar. Der damalige Hinweis auf die anstehenden hohen Kosten im Kita und Schulbereich wurde belächelt und abgetan, nur um jetzt die Bestätigung zu bekommen. Man muss also geliehenes Geld und sei es noch so billig, irgendwann und irgendwie und auf Kosten des Steuerzahlers zurückzahlen?

Was für eine Erkenntnis und warum in der eine Diskussion so und jetzt einmal anders herum? Geht man so wirklich verantwortlich mit unseren Steuergeldern um?“

Gedanken von awi/t24

 

Grönwohlds Bürgermeister Ralf Breisacher machte schließlich den Vorschlag, das Bauvorhaben von einem privaten Investor aus dem public private partnership Programm durchführen zu lassen und dann das Gebäude langfristig anzumieten.

Um es kurz zu machen, erst wollten die Trittauer nicht, dann zog man sich 15 Minuten zur Beratung zurück und dann wurde der Breisacher Vorschlag zu einem Antrag formuliert und tatsächlich einstimmig angenommen.

Wenn man bei den Verbandsmitgliedern jetzt glaubte, man wäre durch und die Eltern würden Ruhe geben, dann hatte man sich gewaltig getäuscht.

Ute Welter-Agatz schwante bereits böses, als sie die zweite Fragestunde aufrief und es kam, wie sie es geahnt hatte. Die Eltern kamen jetzt so richtig in Fahrt und hatten sehr schnell erkannt, dass die Variante mit dem Investor die noch teurere Variante sei und noch mehr Zeit, die nicht vorhanden ist, benötigen würde.

Teilweise wurde es richtig laut und Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch wurde kernig unterbrochen, als er den Beschluss als eine tragfähige Entscheidung anpreisen wollte, die man nun gefunden hätte.

Die Antwort, beziehungsweise die Unterbrechung: „Einen Scheiß haben Sie gefunden, warum löst sich der Schulverband nicht einfach auf, eine Solidargemeinschaft sei er doch schon lange nicht mehr!“

Harte Worte von sehr verbitterten und verunsicherten Eltern und auch der Vorwurf, „Ihr habt und doch erst mit den schönsten Versprechungen nach Trittau gelockt, Trittau, Ort mit Zukunft, was ist jetzt damit? Eine Gemeinde kann nicht pleitegehen, wir aber sehr wohl, wenn wir nicht mehr zur Arbeit gehen können, weil unsere Kinder nicht vernünftig untergebracht sind.

Das soll es erst einmal gewesen sein und das war gestern Abend mein Stand der Dinge. Man lässt bauen und mietet dann. Hm!

Am Dienstag war die Presse zu einem Pressegespräch bei Oliver Mesch eingeladen, wo natürlich noch einmal das Thema Blaues Haus angesprochen wurde. Mesch erläuterte noch einmal ausführlich den Beschluss, diesmal allerdings um einen wie ich finde wichtigen Punkt erweitert den das Gebäude wird nicht einfach gemietet, es wird ein Mietkauf und nach ca. 30 Jahren wird es dann in den Besitz des Schulverbandes Trittau übergehen.

Das ist dann zwar etwas teurer, aber in der augenblicklichen Finanzsituation der Mitgliedergemeinden sicherlich eine Alternative. Die Frage bleibt natürlich, wieviel teurer wird das Ganze Unternehmen auf diese Art und wie wird die Notlösung für 2016 und vermutlich auch 2017 aussehen, es müssen definitiv Kinder untergebracht werden.

 

Im Nachklapp habe ich noch einen Kommentar bzw. Leserbrief eines frustrierten Vaters den ich veröffentlichen möchte, er ist nicht allumfassend, aber er spiegelt ein wenig die elterliche Frustration und Sorge und Wut wieder:

 

Ein schwarzer Tag für alle wartenden Eltern und die Solidargemeinschaft(?) Schulverbandsversammlung

Wer gestern Abend (15.2.2016) an der Sitzung des Schulverbandes Trittau teilgenommen hat, ob als Akteur oder als Zuschauer, hat ein Trauerspiel von erster Güte geboten bekommen.

Schon bei der Einwohnerfragestunde am Anfang der Sitzung merkte der Zuschauer das ein riesen Graben zwischen Trittauer Mitgliedern des Verbandes und den Rest der Verbandsmitgliedern verläuft.

Die Anwesenden Einwohner fragten teilweise sehr Konkret nach und erlebten eine Antwort schwache bis teilweise Antwortlose Vorsitzende. Das ganze endete dann auch noch in einen von dem stellvertretenden Verbandsvorsitzenden Breisacher gestellten Antrag zur Geschäftsordnung, auf Ende der Fragestunde wegen 5 Minütiger Überziehung der vorgegebenen Zeit. Bei allem Verständnis für die Situation dass der Schulverband und die dazu gehörenden Gemeinden kein Geld haben, ist es die Aufgabe der Mitglieder und des Schulverbandes eine verlässliche Betreuung für die Kinder und den Eltern sicher zu stellen. Das Ergebnis das gestern herauskam ist das denkbar schlechteste was in der Situation heraus kommen konnte.

Für die Eltern keine Verlässlichkeit sondern nur wieder ein Provisorium und eine Notlösung bis zum Frühjahr 2017 und für den Schulverband insbesondere für Trittau, das ca. 80% der Kosten tragen wird noch mehr Schulden durch andere Gemeinden aufgezwungen bekommt. Da entscheiden Kommunalpolitiker anderer Gemeinden über Trittau ohne, das sich unser Bürgermeister oder die Trittauer Mitglieder / Politiker erheben.

Mein Fazit des Ganzen: Eine traurige Veranstaltung, völlige Uneinigkeit einer Verbandsversammlung und ratlose Eltern die wieder einmal von der (Trittauer) Politik im Stich gelassen wurde und nur auf Provisorien setzen muss, bis vielleicht ein privater Investor Vielleicht in ca. 12 Wochen gefunden ist und dann vielleicht ab Sommer gebaut und vielleicht ab 2017 eine Unterbringung gestellt werden kann. Aber vielleicht nehmen die Politiker den Vorschlag einiger Eltern auf und lösen endlich den Schulverband auf vielleicht, vielleicht, vielleicht …….

 

E.f.V.

(Ein frustrierter Vater)