Was Kinder wirklich brauchen Artikel von Corinna Wietelmann, Ernährungsberaterin

Ernährungsberatung – was Kinder wirklich brauchen

In meiner Tätigkeit als Ernährungsberaterin werde ich immer wieder mit der Frage konfrontiert, „was braucht mein Kind wirklich“. Die Frage an sich ist eigentlich einfach zu beantworten, doch die Tatsache, dass immer mehr „bunte und tolle“ Kinderlebensmittel die Supermarktregale füllen, erschwert dieses Thematik.

Essverhalten wird bereits in den frühsten Kindertagen beeinflusst – positiv wie negativ. Bekommen Kinder, und hier bereits Kleinkinder, Süßigkeiten zur Belohnung, zur Bestechung oder zum Trost, wird sich dieses Verhalten verinnerlichen und sich somit auch im Erwachsenenalter zeigen.

In einer Studie zeigten bereits 30% der 8 – 11 jährigen Kinder deutlich verengte Blutgefäße, welche sich im Alter von 12 – 15 Jahren auf erschreckende 70% steigerten. Immer mehr Kinder sind bereits im Kleinkindalter übergewichtig und bauen „Fettzellen“ auf, die auch im Erwachsenenalter bestehen bleiben.

Viele Kleinkinder haben ihr gesundes „Hunger – Sättigungsgefühl“ verloren, da sie auch zwischen den „normalen Mahlzeiten“, fast uneingeschränkt auf essbares zugreifen können.

Eine weitere auffällige Tendenz ist die Tatsache, dass viele Kinder, wenn sie die Mahlzeit nicht mögen, eine „Ersatzmahlzeit“ bekommen. So lernen die Kinder allerdings, dass sie die freie Auswahl haben, was sie essen möchten und somit stehen Obst, Gemüse und Salat nicht oder viel zu wenig auf dem Speiseplan.

„Was brauchen Kinder“

Um sich gesund zu entwickeln benötigen Kinder Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Viele Eltern sind verunsichert, über die „Essmenge“ und sind oftmals der Meinung, ihr Kind würde zu wenig essen.

Hier sind einige Beispiele, wie viel ein Kind in welchem Alter benötigt.

-       Kalcium

4 – 12 Monate : 330 mg

1 – 4 Jahre:       600 mg

4 – 7 Jahren      750 mg

Ein Glas Milch und eine Scheibe Käse decken bereits den Tagesbedarf eines 4 jährigen Kindes.

-       Folsäure

Folsäure ist wichtig, für die Zellernäuerung

4 – 12 Monate:    80 yg (Migrogramm)

1 – 4 Jahren      120 yg

4 – 6 Jahre        140 yg

Wichtige Lieferanten sind grünes Gemüse, Vollkorngetreide (kein Weißmehl ), Erbsen und Paprika.

Beispiel: 100g Lauch liefern 103 yg Folsäure

               100g Broccoli liefern 114 yg Folsäure

               Spinat frisch ohne „Blubb“ enthält 145 yg pro 100 g

-       Magnesium

Ist wichtig für eine starkes Nervensystem und schützt gegen Reizüberflutung – wichtig für das Lernen prinzipiell

4 – 12 Monate:   60 mg

1 – 4 Jahre         80 mg

4 – 6 Jahre      120 mg

Wichtige Lieferanten sind hierbei Vollkornprodukte (kein Weißmehl ), Nüsse und Geflügel sowie Gemüsesorten wie grüne Bohnen, Fisch wie Hering.

Den Tagesbedarf von 1 – 4 jährigen decken bereits eine Portion Vollkornhaferflocken (auch glutenfreie Haferflocken) mit Naturjoghurt (ohne Zucker ) und eine frische Banane.

Kinder, vom ersten Brei an, benötigen eine reiche Auswahl an farbenfrohen Gemüse und Obst. Ein farbenfroher Teller garantiert, dass alle wichtigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente aufgenommen werden. Zucker steht hierbei nicht auf der Speiseliste, und dennoch stehen alle Eltern vor der Frage „naschen ja, naschen nein und wenn ja, was“.

Eine Faustregel besagt, dass eine Hand voll Naschereien pro Tag ok ist, mehr aber ein Zuviel darstellt. Das Handmaß gilt in jedem Alter – auch bei Erwachsenen.

Besonders schwierig ist hierbei die Thematik der Kinderlebensmittel. Diese „Lebensmittel“ suggerieren den Eltern Gesundheit und Fitness der Kinder – die Kinder aber werden durch die bunten tollen Verpackungen zur Kundschaft der Zukunft herangezogen.

Kinderlebensmittel sind aber leider nicht zwangsläufig gesund und machen Fit – oftmals ist das Gegenteil der Fall. Kinderlebensmittel enthalten oft zu viel Zucker, zu viel Fett, zu viele Konservierungsstoffe und sind darüber hinaus teurer als „naturbelassene“ Lebensmittel.

„Gesunde Haferflocken“ für Kinder mit Honig verfeinert decken laut Aufschrift „14 % des Tagesbedarfs an Zucker „ – dieser Bedarf existiert allerdings nicht. Bei einer kleinen Portion gesüßter Haferflocken kommt man locker auf 8 Stück Würfelzucker und der Tag beginnt mit den Haferflocken erst.

Das Glas Limonade zum Mittagessen oder Abendessen schlägt mit rund 5 Stück Würfelzucker zu buche.

Als Zwischenmahlzeit oder Dessert zum Mittagessen schlägt der „gesunde Kinderquark“ noch einmal mit rund 5 Stück Würfelzucker auf die Kalorien.

Die „Extraportion – Milch“ für Zwischendurch kommt mit rund 4 Stück Würfelzucker aus, dafür die „Extraportion – Milch“ so gut wie nicht enthalten.

Der Kakao für das Abendessen kommt mit rund 8 Stück Würfelzucker aus.

Hinzu kommen noch die Schokolade oder Gummibärchen zum Trost oder / und zur Belohnung.

Im Laufe des Tages summiert sich das „Zuckerkonto“ der Kinder bereits im Kleinkindalter auf eine Beträchtliche Anzahl an Zuckerwürfel – nämlich rund 37 Stück!

Erschwert wird das Ganze durch die vielen unterschiedlichen „Deklarierungen von Zucker“

-       Dextrose

-       Maltose

-       Maltodextrose

-       Sirup

-       Glukose

-       Fruktose

Alles, was mit der Endung „ose“ aufhört ist nichts anderes als Zucker und je weiter diese Bezeichnungen am Anfang der Zutatenliste stehen, je höher ist der Zuckergehalt.

Fazit „Was brauchen Kinder“

Kinder benötigen geregelte Mahlzeiten – je nach Alter 3 Hauptmahlzeiten und 2 gesunde Zwischenmahlzeiten

Kinder benötigen naturbelassene Lebensmittel ohne Zucker und Fette

Kinder benötigen von Anfang an gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Salat

Süßes sollte nie als Trost, Belohnung oder Bestechung eingesetzt werden

Kinder benötigen Regeln am Essentisch

Kinder benötigen das Vorbild der Eltern

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